Kennt ihr schon den Beruf „Dog-Walker/in“?

Nicht? Na dann wird es höchste Zeit. Da wir uns viel mit anderen Hundeunternehmern beschäftigen, wollen wir euch hier auch gern ein paar Berufe rund um den Hund vorstellen. Dieses mal stellen wir euch „Canimana – Leben mit Hund“ vor. Marie Naumann, angehende Hundetrainerin, hat einen Professionen Gassi-Service gegründet und berichtet uns davon.

Bild: Marie Naumann
Foto: Marie Naumann mit einigen Ihrer Hunde im Gassi-Service

1.) Wie bist du darauf gekommen, einen Gassi-Service zu eröffnen?

Marie: Oh, das ist eine lange Geschichte. Es fing alles vor 7 Jahren mit meinem eigenen Hund an. Seit seiner Pubertät zeigte er Aggressionen im Umgang mit Artgenossen, die ich mit ihm zu bewältigen hatte. Dafür musste ich mich natürlich ordentlich in das Thema Hundeerziehung und Arbeit mit dem Hund einarbeiten. Aus meinem anfänglichen Leid wurde über die Zeit eine Leidenschaft.

So kam es dazu, dass ich mich für eine 3-jährige komplexe Weiterbildung zur Hundetrainerin bei „Canis – Zentrum für Kynologie“ anmeldete und jetzt bereits im 3. Studienjahr bin. Da ich während meiner Ausbildung auch schon mit Hunden arbeiten wollte, überlegte ich mir, was am besten zu meinem Konzept einer Hundeschule passen könnte und entschloss mich, einen professionellen Gassi-Service für den nördlichen Saalekreis und Halle zu gründen.

Bild: Marie Naumann

2.) Das klingt nach einer tollen Idee. Aber die Umsetzung ist ja dann, immer noch einmal eine ganz andere Sache. Wie hast du dann die ersten Kunden gefunden?

Marie: Ich würde eher sagen, dass die Hunde bzw. die Halter/innen mich gefunden haben. Zunächst habe ich über Soziale Netzwerke auf meine Arbeit aufmerksam gemacht. Es kam mir ewig vor, bis sich die ersten bei mir gemeldet haben. Dabei war es nur wenige Wochen nach der Gründung meines Gassi-Service. Aber ich konnte es eben kaum erwarten anzufangen.

Kurz hintereinander haben sich dann zwei Hundehalterinnen über einen Facebook-Beitrag bei mir gemeldet. Wir haben uns zu einem kurzen Kennenlern-Spaziergang verabredet. So konnten mich die Hunde schon einmal beschnuppern und die Frauchen schauen, ob die Chemie stimmt. Kurze Zeit später haben mich die ersten Hunde auf meiner Tour begleitet und sind auch bis heute treue Kunden.

Bild: Marie Naumann

Foto: Die Hunde beim Gassi-Service nutzen das Wasser für eine Abkühlung im Sommer.

3.) Wie viele Hunde betreust du täglich? Und wie sehen eure Hunderunden aus?

Marie: Meine übliche Gruppenstärke liegt derzeit bei ca. 5-6 Hunden verschiedenen Alters und Geschlechts. Ich kann aber bis zu 10 Hunde gleichzeitig betreuen. Da liegt dann allerdings die Grenze. Sonst müsste ich mir ein noch größeres Fahrzeug anschaffen und mehr Arme wachsen lassen. 😉

Erst hole ich alle Hunde von zu Hause oder der Arbeit ab. Dann fahre ich mit ihnen aufs Feld oder ans Wasser, je nach Jahreszeit. Ich habe mir einen Transporter zum Hundemobil umgebaut. Darin befinden sich Transportboxen, damit die Hunde auch sicher von A nach B kommen.

Wenn wir am Ziel angekommen sind, hole ich einen nach dem anderen aus dem Auto. Dabei achte ich darauf, dass die Hunde ruhig und nicht übereifrig oder aufgedreht sind. Dann laufen wir gemeinsam los, zunächst ruhig und gesittet. Erst an der Leine und wenn sich alle benehmen, auch ohne Leine. Natürlich nur, wenn der Hund auf den Rückruf hört und Frauchen bzw. Herrchen das auch möchten. Das kläre ich aber vorher alles ab.

So können die Hunde nach Herzenslust toben, spielen und die Welt entdecken. Nach ca. 1,5 Stunden, wenn alle Hunde glücklich und zufrieden sind, liefere ich sie wieder zu Hause ab.

Bild: Marie Naumann
Foto: Leinen ab – und los geht´s zum Toben.

4.) Da sind die Hunde wirklich ausgepowert, super. So können die Besitzer arbeiten oder Erledigungen machen und der Hund kommt trotzdem voll auf seine Kosten. Geht das denn auch spontan? Denn vielleicht bin ich nicht immer Zuhause, um den Hund zu übergeben.

Marie: Das ist gar kein Problem. Genau deshalb regle ich es so, dass ich in den meisten Fällen einen Schlüssel für die Wohnung erhalte bzw. ein Schlüssel für mich an einem vereinbarten Ort deponiert wird. Das halten wir beim Anfangsgespräch fest. So kann ich auch spontan vorbeikommen, falls dem Besitzern mal etwas Unerwartetes dazwischenkommt, außerhalb der vereinbarten Termine. Das passiert, wie wir ja alle wissen, öfter als man denkt. Und genau dafür bin ich ja da. Manche Kunden reichen mir ihren Hund aber auch selbst raus.

5. Dein eigener Hund hat dich ja indirekt auf diesen spannenden Weg geführt. Ist er denn immer mit dabei? Und verstehen sich die Hunde untereinander?

Marie: Ich habe Sammy fast immer dabei. Selten lasse ich ihn auch mal zu Hause, wenn ich z.B. weiß, dass in der Gruppe Rüden dabei sind, mit denen er nicht so gut klar kommt. Aber meistens und im Regelfall verstehen sich die Hunde sehr gut untereinander. Natürlich achte ich vorab immer auf die jeweiligen Gruppenkonstellationen. Unter meinen bisherigen Kunden-Hunden, habe ich sehr viele Hunde, die mit allem und jedem verträglich sind.

Bild: Marie Naumann
Foto: Voll ausgepowert, muss auch mal eine Pause eingelegt werden.

6.) Was tust du, wenn es doch mal Unruhe unter den Hunden gibt?

Marie: Erst einmal lasse ich die Kommunikation unter den Hunden zu, solange sie in einem angemessenen Rahmen ist. Falls ich bei einem Hund sehe, es wird zu viel, wird die Situation aufgelöst, bevor es brenzlich wird. In meinen Gruppen gab es bisher aber selten Unruhen. Das wird vor allem dadurch begünstigt, dass die Runden von Anfang an ruhig gestartet werden. Falls es doch einmal zu Reibereien kommen sollte, wird die Situation korrigiert und der „Unruhstifter“ an die Leine genommen, bis wieder Ruhe eingekehrt ist.

Wissen Hundehalten, dass ihr Hund Schwierigkeiten im Umgang mit Artgenossen oder in bestimmten Situationen hat, ist das aber auch kein Hindernis. Dann wird vor dem ersten Gassi-Service ein Maulkorb antrainiert. So kann der Hund Sozialkontakte genießen, ohne dass man sich sorgen muss.

Bild: Marie Naumann
Foto: Unruhe gibt es selten beim Gassi-Service, da passt Marie gut auf. Lieber wird ausgiebig gespielt.

7.) Du bist ja in der Ausbildung zur Hundetrainerin. Wendest du Gelerntes gleich bei deinen Gassi-Gängen an?

Marie: Natürlich bietet mir mein Fachwissen einen großen Vorteil auf den Spaziergängen. Ich sehe die Kommunikation zwischen den Hunden und kann Situationen gut deuten. Auch dass der ganze Spaziergang so gesittet abläuft, verdanke ich meiner Ausbildung. Sicherlich lernen die Hunde auch viel bei meinen Spaziergängen. Aber ich suche mir nicht bewusste einen Hund aus, um diesen zu trainieren. Ich achte höchstens auf Wunsch der Halter darauf, dass bestimmte Regeln eingehalten werden.

Bild: Marie Naumann
Foto: Jeder, wie er es mag. Manche Hunde genießen das kühle Nass, andere schauen lieber von draußen zu.

8.) Wie ist ein typischer Tagesablauf bei dir?

Marie: Bevor ich mich auf den Weg mache, um alle Hunde einzusammeln, suche ich alles zusammen was ich für den Spaziergang brauche. Das Wichtigste ist dabei, zu überprüfen, ob ich auch alle Schlüssel dabei habe. Klingt wahrscheinlich erst einmal banal. Wenn ich die aber mal vergesse, würde ich vor verschlossener Haustür stehen und nicht zum Hund kommen. Das wäre wirklich mehr als ungünstig.

Gummistiefel und Regenjacke meine täglichen Begleiter. Die richtige Kleidung ist nämlich das A und O in meinem Job, da ich den ganzen Tag draußen unterwegs bin. Nur eine kleine Runde drehen, weil es kalt ist oder regnet, gibt es bei mir nicht.

Bevor ich losfahre, fülle ich den Wasserkanister für die Hunde auf und gucke, ob genügend Leckerlis und Leinen für den Notfall an Bord sind. Zuletzt überlege ich mir die perfekte Strecke, die wir bei den entsprechenden Witterungsverhältnissen laufen werden. Und dann geht’s auch schon los: Hunde einsammeln und ab aufs Feld, in den Wald oder wo es uns sonst so hin verschlägt.

Da ich an manchen Tagen nicht nur eine Gruppe habe und dann mehrere Runde drehe, bin ich manchmal abends froh, die Beine hochzulegen. Freue mich aber trotzdem auf den folgenden Tag und die nächsten Gruppen.

Bild: Marie Naumann
Foto: Nicht immer ist das Wetter schön. Doch das stört Marie nicht, da werden einfach die Gummistiefel ausgepackt.

9.) Im Moment führst du die Hunde „nur“ aus. Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Marie: In etwa einem Jahr möchte ich, zusätzlich zu meinem Gassi-Service, Einzel- und Gruppentrainings anbieten, um die Halter bei der Erziehung ihrer Hunde zu unterstützen. Des Weiteren überlege ich, die bereits regelmäßig stattfindenden Gruppenspaziergänge auch auf kleinere Hundewanderungen auszuweiten.

10.) Wie beschreibst du das Gefühl, eine Hundeunternehmerin zu sein und täglich die Vierbeiner um dich zu haben? Kannst du sagen, es ist dein Traumjob?

Marie: Ich kann absolut sagen, dass ich meinen Job liebe! Die Hunde sind mir alle richtig ans Herz gewachsen. Es ist traumhaft, jeden Tag mit den Gruppen draußen unterwegs zu sein. Ich bin unendlich froh darüber, dass ich den Schritt in die Selbstständigkeit als Hundeunternehmerin gewagt und jetzt den für mich besten Job der Welt habe.

 

Bild: Marie Naumann
Foto: Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Marie kümmert sich immer um den nötigen Auslauf eurer Hunde. Das erfüllt die Dog-Walkerin und angehende Hundetrainerin voll und ganz.


Na, wenn das nicht fantastisch klingt oder? Habt ihr denn auch bereits Erfahrungen mit einem Gassi-Service? Wir finden es auch jedenfall toll, dass es so eine Möglichkeit gibt und die Hunde dadurch ihre Bewegung bekommen. Danke Marie, für das nette Gespräch.

Wenn ihr mehr über Marie und ihren Gassi-Service erfahren möchtet, schaut gern mal auf ihrer Website oder Social-Media-Kanälen vorbei.